Überwachungspflichtige Tätigkeiten

Darf die Bescheinigung über die stichprobenhaften Kontrollen erteilt werden, wenn die Ergebnisse einer Güteüberwachung noch nicht vorliegen?

Grundsätzlich sollten vor Ausstellung der Bescheinigung die Ergebnisse einer Güteüberwachung vorliegen.

Außenwand-Verkleidungen

Bei welchen Außenwand-Verkleidungen ist die Prüfung zusätzlich zu honorieren?

Die Prüfung von Außenwand-Verkleidungen, für die ein Standsicherheitsnachweis zu führen ist, ist zusätzlich zu honorieren. Dazu gehören z. B. Außenschalen von zweischaligem Mauerwerk, nicht hinterlüftete Außenwandbekleidungen, hinterlüftete Außenwandbekleidungen und Vorhangfassaden.

Dämmschichtbildner

Was ist bei der Verwendung von Dämmschichtbildnern zu beachten?

Reaktive Brandschutzsysteme sind Beschichtungen für den baulichen Brandschutz, die bei Temperaturbeanspruchungen im Brandfall wirksam werden und dabei eine wärmedämmende Wirkung entwickeln. Die reaktive Komponente, auf der die Wirkungsweise des Brandschutzsystems beruht, ist ein Dämmschichtbildner. Zum Nachweis, dass die Eigenschaften des reaktiven Brandschutzssytems durch Alterung nicht beeinträchtigt werden, sind im Nachgang einer Baumaßnahme Alterungsprüfungen an Proben, die bis zu 10 Jahre ausgelagert wurden, durchzuführen. Wenn die Ergebnisse von den in den Zulassungsprüfungen festgestellten Werten wesentlich abweichen, kann die Zulassung widerrufen werden.

Absturzsicherung

Sind die Vorgaben in der ETB-Richtlinie “Bauteile, die gegen Absturz sichern” von Juni 1985 zum Nachweis der Stoßsicherheit für Befestigungen von absturzsichernden Elementen, wie Geländer, noch Stand der Technik?

Bei der ETB-Richtlinie handelt es sich mit Änderungen bzw. Ergänzungen nach Anlage 1.3/1 der LTB um eine bauaufsichtlich eingeführte Technische Baubestimmung.

Rahmeneckanschlüsse

Sind TT-Anschlüsse mit Biegebeanspruchung der Streben, insbesondere aus der Tragwerksebene, bauaufsichtlich geregelt?

Nein, diese Anschlüsse sind bisher nicht Gegenstand der EN- oder ISO-Normung.

Regal

Ist ein Palettenregal prüfpflichtig?

Ein Regal unterliegt nur dann dem Anwendungsbereich und den Anforderungen der Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW), wenn die Regalanlage eine bauliche Anlage im Sinne des § 2 Absatz 1 BauO NRW ist. Dieser Fall ist insbesondere gegeben bei

– Regalen auf eigenem Fundament im Freien,
– Regalen, die Bestandteil der tragenden Konstruktion des Gebäudes sind (Silobauweise),
– Regalen, die im Gebäude eine Erschließungsfunktion wahrnehmen.

Demgegenüber sind Regale, die nicht der Begriffsdefinition des § 2 Absatz 1 BauO NRW entsprechen, keine baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung. Solche Regale unterliegen dem Gesetz über die Bereitstellung von Produkten auf dem Markt (ProdSG) des Bundes, das das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) abgelöst hat. Gemäß dem nationalen Vorwort der DIN EN 15512 “Ortsfeste Regalsysteme aus Stahl – Verstellbare Palettenregale – Grundlagen der statischen Bemessung” enthält die Norm sicherheitstechnische Festlegungen im Sinne des GPSG (bzw. nunmehr dem ProdSG). Die Norm wurde auch nicht im Normenausschuss Bau (NABau), sondern im Normenausschuss Eisen-, Blech- und Metallwaren (NABEM) erarbeitet.

Zulassung

Kann von einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung abgewichen werden?

Eine Abweichung von einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung ist nur zulässig, wenn der Zulassungsinhaber (im Allgemeinen der Hersteller, keinesfalls der staatlich anerkannte Sachverständige für die Prüfung der Standsicherheit oder des Brandschutzes) bestätigt, dass es sich um eine unwesentliche Abweichung von der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung handelt. Falls der Zulassungsinhaber dies nicht bestätigt, besteht ggf.die Möglichkeit, eine Zustimmung im Einzelfall bei der obersten Bauaufsicht zu erwirken. Ohne Verwendbarkeitsnachweis ist der Einsatz des Bauprodukts oder der Bauart grundsätzlich nicht zulässig.

Erdbeben: Unbewehrte Pfähle

Sind unbewehrte Pfähle in deutschen Erdbebengebieten zulässig?

Nach DIN EN 1536:2010-12 in Verbindung mit DIN 4149:2005-04 sind unbewehrte Pfähle grundsätzlich möglich, wenn der Bohrpfahl eine Pfahlkopfbewehrung erhält und die Bemessungswerte der Einwirkungen nur Druckspannungen im Pfahl erzeugen.

Dies gilt auch für Einwirkungen aus Erdbeben. Es ist in einem solchen Falle nachzuweisen, dass auch unter den Erbebenkräften im unbewehrten Bereich keine Zugspannungen im Pfahl auftreten und dass Bodenverflüssigungen ausgeschlossen werden können.

Gleichwertige Lösung

Kann von den allgemein anerkannten Regeln der Technik abgewichen werden?

Nach § 3 Abs. 1 BauO NRW kann von den Regeln abgewichen werden, wenn eine andere Lösung in gleicher Weise die allgemeinen Anforderungen hinsichtlich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erfüllt.

Durchstanzkraft

Wie ist die Durchstanzkraft an Wandenden zu ermitteln?

Die Durchstanzkraft an Wandenden ist grundsätzlich mit Hilfe von Lasteinzugsflächen zu ermitteln. Die durch eine Auswertung der Lasteinzugsflächen ermittelte Auflagerkraft ist mit dem Faktor ß für die ausmittige Lasteinleitung nach DIN EN 1992-1-1: 2011-01 Abschn. 6.4.3 zu vervielfachen. Die Berechnung mit Hilfe von handelsüblichen FEM-Plattenprogrammen kann zu abweichenden Ergebnissen führen, die kritisch bewertet werden sollten.